Der Triftgletscher

alt03Ein Eisriese zieht sich zurück. Solche und ähnliche Schlagzeilen sind in der Vergangenheit über den Triftgletscher geschrieben worden, denn er galt in den Jahren um 2003 bis 2005 herum als einer der Schweizer Gletscher, die sich am stärksten zurückbildeten. Die Klimaerwärmung konnte praktisch live vor Ort mitverfolgt werden.

alt02Seine grösste Ausdehnung erreichte der Triftgletscher wohl um Mitte des 19. Jahrhunderts, im Hochstadium der Kleinen Eiszeit. Er dürfte sich damals bis ungefähr in die Region der heutigen Bergstation der Triftbahn auf etwa 1.400 m.ü.M. ausgedehnt haben. Die "Schleifspuren" des Gletschers auf den Felsen entlang des Triftwassers und der Hüttenwege, sowie teilweise die alten Moränen sind noch gut zu sehen. Wie wuchtig der Gletscher damals war, zeigen die beiden Schwarzweiss-Bilder. Das Bild rechts ist mit 1903 datiert und stammt vom Pfarrer Hürner in Gadmen; das linke von 1934 zeigt die Mauer vor der Windegghütte und belegt, dass der Gletscher von da aus zu sehen war. Es hängt heute in der kleinen Windegghütte.

Seither zieht sich der Triftgletscher immer weiter zurück. In unserem ersten Hüttenwartsjahr 1996 war vom heutigen Gletschersee noch nichts zu sehen, jedoch bildeten sich bald einmal die ersten Löcher und dann ging es plötzlich schnell: wo früher noch immense Eismassen waren, verschwand der Gletscher innerhalb weniger Jahre und es bildete sich ein See. Eindrücklich ist das zu sehen auf folgenden Vergleichsbildern von 1948, 2002 und 2006 zu sehen (Quelle: www.gletscherarchiv.de):

laengenvergleich

Besonders schwer zugesetzt haben die Jahre 2002 bis 2005 dem Triftgletscher, in diesem Zeitraum ging er um über 500 Meter zurück! Insgesamt hat er sich in den letzten anderthalb Jahrhunderten um fast drei Kilometer zurückgezogen, wie die Statistik zeigt. Das wurde auch zum Problem für den Zugang zur Trifthütte, der Hüttenweg führte bis 2001 diagonal über die Gletscherzunge. Aus diesem Grund wurde 2004 eine erste Hängeseilbrücke über die Triftschlucht gebaut, welche 2009 durch die neue, 170 m lange und 100 m hohe Brücke ersetzt worden ist.

2012 wurde dann der einst so imposante und später immer schmaler werdende Gletscherabbruch durchtrennt und zwischen dem Gletscher und dem Rest des Abbruchs klafft jetzt eine immer grösser werdende Lücke - und in der Statisik ist der Triftgletscher deshalb um 971 weitere Meter kürzer...

Zwar hat sich durch den Gletscherschwund eine neuer und nicht weniger attraktiver Talkessel gebildet, wie nachfolgende Bildergalerie zeigt (anklicken zeigt weitere Fotos). Trotzdem: der Gletscher ist verschwunden, der Eisriese hat sich tatsächlich zurückgezogen.

  • Gletschertor_04
  • Gletschertor_01_Petroni
  • Gletscher_2001
  • Gletschertor_02_Petroni
  • Gletscher_2003
  • Abbruch_01_Petoni

Weitere Infos, Daten und Bilder zum Triftgletscher:
> Bilder in chronologischer Folge auf unserer Facebookseite
> Statistiken der ETHZ
> Fotovergleiche auf fotovergleich.de
> Wikipediaeintrag Triftgletscher
> Wikipediaeintrag Triftbrücke

Und so sieht der Triftgletscher heute aus, wie die täglichen Bilder der ETHZ-Überwachungsstationen dokumentieren: